01.-04.03.2018

BLUR – 6 Miniaturen zur Unschärfe: ™5.6] Smart Factory & ™6.6]Souveräne Unschärfe

theater-51grad
BLUR – 6 Miniaturen zur Unschärfe: Fotografie & Fuzzy Logic, Foto: Meyer Originals


Eine theatrale Musik-Skulptur von Sergej Maingardt, Jens Standke und Rosi Ulrich

™5.6] Smart Factory_WIRTSCHAFT, ™6.6]Souveräne Unschärfe_POLITIK

Grenzen haben sich immer schon verschoben, doch heute scheinen sie unschärfer und labiler zu werden. Systeme geben sich rigoros und sind doch labile Gebilde. Die Realität scheint immer mehr zu verschwimmen. Ein Phänomen das nicht nur in politische, geografische, sondern auch private Bereiche hineinreicht und die Menschen zutiefst verunsichert. Anhaltspunkte für richtiges Verhalten fehlen, Fehlinterpretationen sind wahrscheinlich. Diese Unschärfen verbreiten ein Gefühl der Verunsicherung und stärken die Sehnsucht nach klar definierten Grenzen. Wem oder welchen Bildern kann man noch trauen, wenn Fake-News die Meinungen zu lenken suchen? Wo findet sich die Wahrheit oder kann Unschärfe zur Überlebensstrategie werden? Wie eng ist das Gefühl der Verunsicherung in unserer Gesellschaft mit den Phänomenen der Unschärfe und der neuen Sehnsucht nach klar definierbaren Grenzen verknüpft. Muss der Mensch dieser Verunsicherung erliegen oder kann er die Souveräne Unschärfe als Strategie nutzen.

Die theatrale Musik-Skulptur antizipiert „Unschärfe“ als ein Phänomen, das in vielen Bereichen unsere Lebensbilder prägt und unseren Blick auf die Welt beeinflusst. Sie untersucht -auf der Grundlage von literarischen Texten und für die Produktion erstellten Essays von Experten und Wissenschaftlern- in sechs Miniaturen sechs Bereiche:

  • Heisenbergs Unschärferelation (™1.6]DELTAx_PHYSIK)
  • Pluralistische Ignoranz (™2.6]Paralyzed_PSYCHOLOGIE)
  • Das Mediale Bild (™3.6]HypeReal_FOTOGRAFIE)
  • Fuzzy Logic (™4.6]UND:ODER:NICHT_FUZZY LOGIC)
  • Industrie 4.0. (™5.6]SmartFactory_WIRTSCHAFT)
  • Souveräne Unschärfe (™6.6]Souveräne Unschärfe_POLITIK)

Die 6 Miniaturen von BLUR werden in drei Blöcken zur Premiere kommen:

1 Block: ™1.6]DELTAx_PHYSIK / ™2.6]Paralyzed_PSYCHOLOGIE
9.-12. Nov. 2017, 20:00 h

2 Block: ™3.6]HypeReal_FOTOGRAFIE / ™4.6]UND:ODER:NICHT_FUZZY LOGIC
30. Nov. – 3. Dez. 2017, 20:00 h

3 Block: ™5.6]SmartFactory_WIRTSCHAFT / ™6.6]Souveräne Unschärfe_POLITIK
01– 04. März 2018, 20:00 h

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ÄSTHETIK

BLUR ist eine theatrale audio-visuelle Musik-Skulptur in sechs Teilen. Jede Miniatur dauert ca. 20/25 Minuten, ist ein eigenständiges Werk und ergibt doch im Ganzen eine sich aufeinander beziehende Aufführung, die Schauspiel, Musik und Videokunst miteinander verbindet. Die Zuschauer sitzen/liegen unter einer fliegenden Leinwand inmitten des Klangraums. Jens Standke, Videokünstler aus der Musik Theater Produktion „format BLACKBOX:“, führt mit seiner Live-Videoregie mit vorproduzierten und animierten, aber auch mit Live-Bildern den Zuschauer in die Welten der jeweiligen Miniaturen.
In diesem Setting geraten die Orientierungssinne aus dem Gleichgewicht, oben und unten, rechts und links beginnen zu verschwimmen und müssen immer wieder neu definiert werden.
Die sechs Miniaturen werden unterschiedlich instrumentalisiert, von Live-Musikern eingespielt und mit elektronischen Einspielern erweitert und verfremdet. Die Sound-Installation verstärkt dieses Moment, indem sie einen Klangraum schafft, Das Surround System schafft einen Raumklang, in dem Musik und Sound den Raum akzentuieren, verschwimmen lassen, verschieben und wieder neu fokussieren. Die Bewegung des Raumklangs und die Projektionen ergeben einen visuellen und akustischen Erlebnisraum.
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DIE EINZELNEN MINIATUREN

™5.6]Smart Factory_WIRTSCHAFT untersucht die Industrie 4.0, die mittels modernster Kommunikationstechnik die Smart Products zu einer selbstorganisierenden Produktion verzahnt. Voraussetzung ist die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie lässt hierarchische Grenzen zwischen Automatisierung durch Künstliche Intelligenz und klassischem Management verschwimmen. Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren und kooperieren direkt miteinander. 
Und: sie löst die klassische Beziehung zwischen Produzent und Konsument auf.
„Der Mensch wird Teil der Wertschöpfungskette. Der ‚Smart’-Begriff ist irreführend, weil die Intelligenz nicht im Smart Gerät sitzt, sondern in der Cloud. Dem Konsumenten wird das als schönes Lifestyle Produkt mit zusätzlichen pseudo-gesundheitlichen und sportlichen Vorteilen untergejubelt.“ (Ariel Lasry)
Diese intelligente Vernetzung von gleichwertigen Systemen wird auf die künstlerischen Elemente des Schlagwerks, Sopran und Video übertragen. Dabei ist das Schlagwerk der treibende Motor der Smart Factory, in der die Parameter Digitalisierung, Kommunikation und selbstorganisierende Produktion auf musikalische Prinzipien übertragen werden. Musiktheatrale Größen wie Lautstärke, Tonhöhe, Intensität, Klang, Bewegung u.a. sind beeinflussende Parameter für die einzelnen Akteure.

Musik: Marcel Kentaro Morikawa (Schlagwerk), Frauke Aulbert (Gesang) / Schauspiel: Kai Hufnagel & Karin Kettling / Stimme: Oliver Schnelker
Kostüm: Claus Stump / Kostümfertigung: Andrea Uebel / Produktionsleitung: Hannah Greve / Technik: Jens Kuklik

Künstlerische Leitung: Sergej Maingardt (Komposition / Musik), Jens Standke (Video), Rosi Ulrich (Text / Dramaturgie), Andrea Bleikamp (Regie)
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™6.6]Souveräne Unschärfe_POLITIK beschäftigt sich mit Studien, die besagen, dass es für Politiker besser ist, die Wahlprogramme offener zu gestalten, weil so der Interpretations­spielraum erweitert wird und eine größere Wählerschaft erreicht werden kann. Viele Parteien haben sich diese Analyse zunutze gemacht und werben mit einfachen Slogans. Der Politikprofessor Karl-Rudolf Korte prägte dafür den Begriff der „Souveränen Unschärfe“. Diese Miniatur wird Material aus der Bundestagswahl 2017 für Chor, Schauspiel und Video arrangieren. Es geht vor allem um die Gegenüberstellung, das Kontrapunktieren und Kontrastieren, um chorale Intensität und das Heraustreten bzw. Entgegensetzen der Solostimme. Ein im Raum verteilter Chor bildet eine Klangmasse, aus der einzelne Ereignisse und neue Hörperspektiven hervortreten. So lassen sich die aufgeregte Vielstimmigkeit politischer Wahldebatten und die intensive Platzierung von sogenannten Kernthemen mit musikalischen Prinzipien abbilden. Chorisch gestaltet sich die Suche nach dem gemeinsamen Ziel, das aus vielen Zwischentönen summiert zu einem präzisen Ton wird. Tonhöhenverschiebungen dienen als Interpretationsflächen und aus der Menge hervortretende Leitstimmen übernehmen für kurze Zeit die Führung, bis sich erneut Verschiebungen im Thema, in der Intension und in der Tonhöhe ergeben. Im Gegeneinander abgrenzen gilt es, das Miteinander zu finden und dabei möglichst interpretationsoffen zu bleiben.

Chor: Rodrigo Lopez Klingenfuss (Chorleiter) / Schauspiel: Kai Hufnagel & Karin Kettling / Stimme: Oliver Schnelker
Kostüm: Claus Stump / Kostümfertigung: Andrea Uebel / Produktionsleitung: Hannah Greve / Technik: Jens Kuklik

Künstlerische Leitung: Sergej Maingardt (Konzept, Komposition), Jens Standke (Videokunst),  Rosi Ulrich (Text / Konzept), Andrea Bleikamp (Regie)

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BLUR setzt auf die bewährte Zusammenarbeit der vier Künstler, Andrea Bleikamp, Sergej Maingardt, Jens Standke und Rosi Ulrich und verbindet Kreativität mit wissenschaftlichen Essays, Literatur und Leben.

In Kooperation mit Freihandelszone – Ensemblenetzwerk Köln

Gefördert durch:

 

Do 01.03.2018 20.00 h Premiere
Fr 02.03.2018 20.00 h
Sa 03.03.2018 20.00 h
So 04.03.2018 20.00 h

Tickets:

Abendkasse:
17,00 € / 11,00 € ermäßigt /
5,00 € mit Köln-Pass

Vorverkauf:

 

Rausgegangen Special: Mit dem Rausweis kommst du zum ermäßigten Preis von 11,00 € rein. Gilt nicht an Premierentagen!